Warum gibt es Kritik am HypnoBirthing nach Mongan?

Neben all den positiven Geburtserfahrungen die Frauen mit Hypnobirthing gemacht haben, gibt es hin und wieder Kritik zu lesen. Insbesondere Hebammen und Klinikmitarbeiter scheinen schlechte Erfahrungen mit HypnoBirthing-Mamas gemacht zu haben. Ich möchte an dieser Stelle einen Erklärungsversuch für die Kritik am HypnoBirthing nach Mongan geben. 

Hervorragendes Konzept. Aber nur am richtigen "Geburtsort"


Ich finde die HypnoBirthing Übungen von Marie Mongan wirklich gut und das Buch ist sehr verständlich geschrieben. Wobei das Buch meines Erachtens lediglich eine Ergänzung zum HypnoBirthing Kurs darstellt, da durch Selbsthypnose kein so tiefer Trancezustand erreicht wird, wie mit Anleitung durch einen Hypnotherapeut. Alles in allem finde ich die Vorbereitung mit HypnoBirthing ebenso wie die Hypnomentale Geburtsvorbereitung® eine wunderbare Sache. Viele Frauen berichten von wunderbaren Geburten mit HypnoBirthing und trotzdem kursiert eine gewisse Skepsis gegenüber dem Vorgehen. Woran liegt das?

HypnoBirthing wurde von der Amerikanerin Marie Mongan entwickelt und richtete sich damit ursprünglich an US-amerikanische Frauen. Nach großen Erfolgen in den USA erweckte die Methode zunehmendes Interesse in Europa. Meines Erachtens ist das Konzept aber nicht ganz an unser deutsches Gesundheitssystem angepasst. Viele der Empfehlungen von Mongan lassen sich in einem deutschen Krankenhaus kaum umsetzen. Weshalb ich den Frauen, die sich mit HypnoBirthing nach Morgan vorbereiten eine wohl überlegte Wahl des Geburtsortes ans Herz legen möchte. Diese Empfehlung gilt explizit für die Methode nach Mongan, da die Hypnomentale Geburtsvorbereitung® in ihren Empfehlungen weit weniger dogmatisch ist und diese Methode explizit für das deutsche Gesundheitssystem entwickelt wurde. Andere Hypnobirthing Konzepte wurden bislang nicht empirisch überprüft, weshalb ich diesbezüglich keine Empfehlung geben kann und möchte. 

Folgende 4 Aspekte erklären Kritik und Vorbehalte:

1. Verharmlosung der Geburt

Marie Morgan spricht von einer "wirklich sicheren, sanften und leichten Geburt". Das weckt schon Erwartungen an eine Geburt, die an eine Wellnessbehandlung denken lassen. Vielleicht ist es auch eine US-amerikanische Art bei vielen Dingen in Superlativen zu sprechen? Wenn Frauen nach der Geburtsvorbereitung mit HypnoBirthing davon ausgehen, eine absolut schmerzfreie Geburt zu erleben, kann dies zu Überraschung und Enttäuschung führen. Wenn etwas nicht so verläuft, wie vom HypnoBirthing proklamiert, kann es passieren, dass Frauen sich Vorwürfe machen, etwas falsch gemacht oder versagt zu haben bei ihren Hypnoseübungen. Aber eine Geburt ist nunmal Arbeit und Schmerzen können auch trotz Hypnose auftreten. Versagensgefühle sind absolut kontraproduktiv für Entspannung und somit auch für die Schmerzreduktion. Eine sichere Geburt kann auch eine Hypnose nicht versprechen. Keine Hypnose kann das. 

Wie soll eine Hypnosetechnik denn eine sichere Geburt versprechen, wenn sie den Kopfumfang oder die Beckengröße oder oder oder… nicht beeinflussen kann? Vielleicht stößt dies auch auf Widerstand bei Geburtshelfern?

2. Instruktion Geburtshelfer zurückzuweisen

Mongan gibt die Instruktion das medizinische Fachpersonal zurückzuweisen: Wenn das Baby sich nicht an den Geburtsplan hält, instruiert Marie Mongan in ihrem Buch die Frau, das medizinische Fachpersonal zurückzuweisen. Zitat aus dem Buch HypnoBirthing von Marie Mongan: „Wenn sich der Geburtsverlauf nach der Blasenöffnung verzögert und Sie dazu gedrängt werden, die Geburt einzuleiten, bitten Sie um Antibiotika und weisen Sie höflich jede Vaginaluntersuchung zurück.“ Diese Empfehlung kann bei der Gebärenden Unsicherheit auslösen, wenn die Geburtshelfer andere Vorschläge geben. Unsicherheit kann schnell zu Angst führen, Angst verstärkt Anspannung und Schmerzen und ist damit kontraproduktiv.

 

Ärzte in den USA greifen (verständlicherweise) etwas eher zu Interventionen, als dies in Deutschland der Fall ist. In den USA sind die Versicherungsgewohnheiten bekanntermaßen etwas anders als in Deutschland. Während wir Deutschen tendentiell etwas überversichert sind, sind US-Amerikaner in der Regel weniger gut versichert. Ein Klinker kann daher schnell zu Schadensersatzzahlungen herangezogen werden, wenn es zu Komplikationen oder Geburtsschäden kommt. Zudem wird in Amerika schneller geklagt als in Deutschland. Daher ist es nur verständlich, wenn ein Arzt in den USA eine Geburt schneller einleitet oder (vaginale) Untersuchungen durchführt, um sich selbst in Sicherheit zu wähnen.

 

Die deutsche Version des Buches HypnoBirthing ist in dieser Hinsicht nicht an unser Gesundheitssystem angepasst. Es suggeriert der Leserin, dass deutsche Ärzte zu früh einleiten oder permanent vaginale Untersuchungen vollziehen. Bei einer Geburt können Komplikationen auftreten. Frauen zu suggerieren, sie benötigen keinerlei Untersuchung oder Hilfe… ist das nicht fahrlässig? Eine Hypnose kann auch bei einer vaginalen Untersuchung eingesetzt werden. Zahnärzte machen das ja auch so.

3. Bitte NICHT pressen!

Mongan empfiehlt den Frauen in der sogenannten "Austreibungsphase" nicht zu pressen. Frauen erleben jedoch gegen Ende Eröffnungsphase einen natürlichen Drang zu pressen. Mongan formuliert dies um in ein Gefühl der Fülle. Ich könnte mir vorstellen, dass Geburtshelfer schier verrückt werden mit Frauen, die ihrer Meinung nach nicht mitarbeiten. Auch das könnte ein Grund für Skepsis gegenüber dem HypnoBirthing nach Mongan sein. 

4. Wunschliste an die Geburtshelfer

Eine Geburtswunschliste zu schreiben finde ich eine sehr schöne Vorbereitung auf die Geburt. Dadurch setzt sich die Frau vorab mit grundsätzlichen Fragen auseinander. Das hilft während der Geburt Entscheidungen schnell zu treffen. (Möchten Sie vorab eine Darmreinigung? Möchten Sie eine PDA? Möchten Sie die Nabelschnur selbst durchtrennen? Möchten Sie ...?) Wenn Sie in einem deutschen Krankenhaus entbinden, ist jedoch anzunehmen, dass die Ärzte und Hebammen im Krankenhaus nicht die nötige Zeit haben, sich eine 8-seitige Liste durchzulesen, die beim HypnoBirthing auch absolut gängige Worte enthält, die von den Geburtshelfern nicht gebraucht werden sollen.

 

In Ballungsräumen wie München bangen Frauen zum Zeitpunkt der Entbindung überhaupt in dem angemeldeten Klinikum entbinden zu können, weil die Kreißsäle belegt sind. Welche Frau möchte da noch das angespannte medizinische Personal bitten, ihre Wunschliste zu lesen? Es ist wirklich verständlich wenn die Geburtshelfer, den Wünschen der Hypnobirthing-Mama aus Kapazitätsgründen nicht nachkommen können. Das bietet aber Material für innere Konflikte der HypnoBirthing-Mama, die durch ihren Kurs so vorbereitet wurde. Das verunsichert die entbindende Frau und steht dem erfolgreichen HypnoBirthing im Weg.

 

In den USA, wo Marie Mongan das HypnoBirthing Konzept entwickelt hat, betreut der Arzt, der die Schwangerschaftsvorsorge macht auch die Entbindung in der Klinik. Damit hat die Frau vor der Geburt schon die Möglichkeit mit ihrem Arzt über ihre Geburtswünsche zu sprechen. 

Fazit:

Gutes Konzept, das aber unbedingt an die eigenen Geburtsmodalitäten angepasst werden sollte!

Hypnobirthing kann wirksam sein. Das zeigen viele wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise. Dabei ist jedoch dringend auf einen seriösen Kursanbieter zu achten. Tips hierzu finden Sie hier. Beim HypnoBirthing nach Mongan handelt es sich um eine wunderbare und auch erfolgreich erprobte Methode. Das Konzept ist leider nicht ausreichend an das deutsche Gesundheitssystem angepasst. Daher ist speziell das HypnoBirthing nach Mongan besser bei einer Geburt im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt anwendbar. Der Ansatz kann sich auch für Frauen eignen, die absolut keine Scheu verspüren, sich gegen die Empfehlungen des medizinischen Klinikpersonals zu entscheiden und sich durchzusetzen. 

Literatur

Mongan, M. (2018). HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt. Manko Verlag: Murnau