HypnoBirthing® und Hypnomentale Geburtsvorbereitung®

Vergleich der zwei renommiertesten Programme zur Geburtsvorbereitung mit Hypnose.

Viele Frauen fragen sich welches hypnosebasierte Angebot zur Geburtsvorbereitung das richtige sei.


Die Geburt mit Hypnose zu erleichtern hat eine lange Tradition und weckt die Neugier schwangerer Frauen immer wieder aufs Neue. Seit der Bekanntgabe, die britische Herzogin Kate habe sich mit Hypnobirthing auf ihre Geburten vorbereitet, erfasst die Geburtsvorbereitung mit Hypnose eine weitere Welle der Begeisterung. Gewiss stellt sich da manche Frau die Frage, welches der angepriesenen Verfahren denn nun das für sie Richtige sei. Die beiden populärsten, hypnosebasierten Geburtsvorbereitungsprogramme in Deutschland, deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist, sind die Hypnomentale Geburtsvorbereitung® nach Schauble und Hüsken-Janßen sowie das HypnoBirthing® nach Mongan. 



Überblick über diese beiden hypnosebasierten Geburtsvorbereitungsprogramme, deren Unterschiede und theoretische Konzepte

Der Angst-Anspannungs-Schmerz-Kreislauf

Die Hypnomentale Geburtsvorbereitung und HypnoBirthing nach Mongan lassen sich auf die gleichen historischen und theoretischen Wurzeln zurückführen. Beide Verfahren sind zurückzuführen auf Grantley Dick-Read, einen britischen Gynäkologen, der in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg Pionierarbeit in der Geburtshilfe leistete. Er postulierte den Kreislauf aus Angst, Anspannung und Schmerz. Dieser Kreislauf basiert auf dem Wissen, dass Menschen, die weniger Angst empfinden auch körperlich weniger angespannt sind. Da Anspannung das Schmerzerleben beeinflusst, soll mittels Hypnose ein sehr tiefer Entspannungszustand für die Geburt eingeübt werden. Entsprechend wird eine natürliche Geburt ermöglicht, in der Betäubung und Narkose nicht notwendig sind, da der Körper ein eigenes Mittel zur Entspannung freisetzt, die Endorphine. 

→ Umsetzung HypnoBirthing und Hypnomentale Geburtsvorbereitung

Im HypnoBirthing werden verschiedene Entspannungstechniken vorgestellt, aus denen sich die Frau die für sie passendste auswählt und intensiv einübt. Dazu zählen drei verschiedene Atemtechniken, die Regenbogenentspannung, die sich öffnende Rose und einige weitere Übungen. Hier unterscheiden sich die beiden Programme grundlegend. 

Die verschiedenen Entspannungstechniken sind bei der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung in ein feststehendes Konzept eingebunden. Außerdem wird der Entspannungszustand gezielt mit dem Geburtsprozess verknüpft, sodass bestimmte Signale (z.B. eine Kontraktion) automatisch eine Entspannungsreaktion auslösen. Dies geschieht mitunter durch die klassische Konditionierung, eine elementare verhaltenstherapeutische Technik. Durch dieses starke Verankern wird sich die Entspannung im Geburtsprozess wie von selbst einstellen. All dies wird im Kurs im Zustand einer angenehmen hypnotischen Trance „etabliert“ und vorbereitet. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Wirksamkeit dieser Konditionierung nur bei Anwendung durch das geschützte Hypnose-Protokoll nach Hüsken-Janßen nachgewiesen ist. Mehr  Information zum Ablauf der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung finden Sie hier.

Die Macht der Umformulierung

Ein weiterer Wegbereiter der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung sowie des HypnoBirthing war Lamaze, der durch Umformulierung angstauslösender Gedanken in positive Selbstinstruktionen positive Emotionen auslösen wollte. So soll beispielsweise die Frau den angstauslösenden Gedanken „Oh schrecklich, gleich kommt die nächste Wehe“ durch den Gedanken „Jede Wehe bringt mich meinen Baby näher“ ersetzten. Ein derartiger Gedanke löst in der Frau ein Gefühl freudiger Erwartung anstelle von Angst aus. 

→ Umsetzung HypnoBirthing und Hypnomentale Geburtsvorbereitung

Es ist empfehlenswert derartige Umformulierungen einzuüben, was sowohl im HypnoBirthing als auch in der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung geschieht. Ein Kollege von Lamaze ersetzte in seiner Arbeit statt ganzer Gedanken, einzelne elementare Begriffe der Geburtsarbeit. So sollte das Wort „Wehenschmerz“ durch „Muskelgefühl“ ersetzt werden. Auch diese Umformulierungen nutzen die hypnosebasierten Geburtsvorbereitungsansätze. Im HypnoBirthing wird die „Wehe“ zur „Welle“, „Schmerz“ zu „Druck“, „Pressen“ zu „Geburtsatmung“, eine „Komplikation“ zu „speziellen Umständen“ und der „Blasensprung“ zur „Öffnung der Blase“ umformuliert. Was die Umformulierung im Kreissaal betrifft, so ist das HypnoBirthing etwas dogmatischer als die Hynomentale Geburtsvorbereitung. Es wird eine Tabelle aufgeführt, in der die umzuformulierenden Worte aufgelistet sind. In der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung braucht man kein Wörterbuch ;-).

Weitere hypnosebasierte Ansätze in der Geburtsvorbereitung

Die Geburtshilfe mit Hypnose hat eine lange Geschichte und neben dem HypnoBirthing nach Marie Mongan und der Hypnomentalen Geburtsvorbereitung nach Schauble und Hüsken-Janßen gibt es zahlreiche weitere Angebote. Beispielsweise die Paargeburtsvorbereitung nach Poncelet, das 8-Punkte-Programm nach Hilgard und Hilgard und die Hypnoaktive Geburtsvorbereitung nach Lorenz Wallacher. Der Hypnoaktive Geburtsvorbereitung nach Lorenz Wallacher richtet sich an verschiedene Anliegen in der Schwangerschaft und hypnotherapeutische Techniken werden gezielt für jede Frau individuell ausgewählt. Es gibt daher kein festes Konzept, das in einem Kurs für mehrere Frauen angeboten wird, sondern findet vielmehr im Rahmen einer individuellen Hypnosebehandlung statt.

 

Empirische Nachweise über die Wirksamkeit dieser Methoden habe ich in meiner Recherche leider nicht gefunden. Falls es welche gibt, freue ich mich sehr über eine Nachricht mit entsprechender Quelle und berichte an dieser Stelle darüber. Der Frage, woran Sie einen guten und seriösen Kurs erkennen, gehe ich in einem anderen Artikel nach.

Literatur:

Revenstorf, D.  & Peter B. (2015). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin: Manual für die Praxis. Springer: Berlin

Mongan, M. (2018). HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt. Manko Verlag: Murnau

http://www.thehypnobirthingassociation.com/latest-news/uk-and-eu-rule-that-hypnobirthing-cannot-be-trademarked.html