Woran erkenne ich einen guten Psychotherapeuten?

Manche Menschen finden es sehr hilfreich, einem Psychotherapeuten gegenüber zu sitzen, der auch als Mensch auftritt und nicht jede Fragen mit einer Gegenfrage abwehrt. Andere dagegen stört es womöglich, wenn der Therapeut etwas von sich erzählt. Aber diese Dinge sind es nicht, die entscheidend für die Wirksamkeit einer Therapie sind. Woran erkenne ich einen guten Therapeuten denn wirklich? Diese Frage stellen sich die meisten Menschen, wenn sie auf der Suche nach einem Therapieplatz sind. Ich möchte die Frage etwas umformulieren, denn sie geht konform mit der Frage wann eine Psychotherapie wirksam ist. Damit beschäftigt sich mitunter die Therapieforschung. 

Der renommierte Psychotherapieforscher Klaus Grawe hat in seinem Lebenswerk fünf, für Laien vielleicht etwas sperrig klingende „Wirkmechanismen“ der Psychotherapie identifiziert. Diese Wirkmechanismen sollen für die großen Therapieschulen gültig sein. Im Folgenden möchte ich diese Wirkfaktoren zusammenfassend vorstellen und versuchen sie verständlich zu erklären.

Nicht jede Psychotherapie ist erfolgreich. Ob Sie Ihre Therapieziele erreichen können, hängt neben der Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Psychotherapeuten von weiteren Faktoren ab.


1. Therapeutische Beziehung

In erster Linie sollen Sie sich bei Ihrem Therapeuten wohl und sicher aufgehoben fühlen. Er sollte Ihnen einfach sympathisch sein. Ihnen unsympathische Menschen würden Sie sicher nicht vertrauen. Nur wenn Sie ihrem Psychotherapeuten vertrauen können, wird es möglich sein, schwierige Manöver unter seiner Hand zu fahren. 

 

Woran erkennen Sie das?

Sie haben ein gutes Bauchgefühl und fühlen sich ernst genommen. 

2. Motivationale Klärung

Motivatonale Klärung bedeutet, dass Sie durch die Therapie ein Bewusstsein dafür entwickeln sollen, welche Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung des problematischen Verhaltens oder Erlebens zugrunde liegen. Unter Motivational sind hier Ihre inneren Motive gemeint. Ihre Motive sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. 

 

Woran erkennen Sie das?   

Er sollte Ihnen helfen, diese Motive und Schemata selbst zu finden und wahrzunehmen. Ein guter Therapeut serviert Ihnen diese nicht schön vorgekaut, er lässt Sie quasi sich selbst entdecken. 

3. Problemaktualisierung

Bedeutet, dass die Themen und Probleme, derentwegen eine Psychotherapie aufgesucht wird, in der Therapie aktiv spürbar gemacht werden. Dies kann im Rahmen einer Konfrontation (z.B. Konfrontation mit dem Spiegelbild bei einer Essstörung) erfolgen, aber auch durch geeignete Therapiemethoden (bspw. Stuhlübungen oder Rollenspiele), die bestimmte Gefühle im Hier und Jetzt erlebbar machen. Oder auch indem der Psychotherapeut zwischenmenschliche Geschehnisse zwischen Patient und Therapeut thematisiert und damit wiederkehrende Gefühle und Erleben aus zwischenmenschlichen Beziehungen aktiviert.

 

Woran erkennen Sie das? 

Sind erkennen dies beispielsweise daran, dass Ihr Psychotherapeut Sie bei Abschweifungen oder Vermeidungsverhalten wiederholt, vorsichtig auf ihre Therapieziele aufmerksam macht und Sie auch zu unangenehmen Aufgaben, wie bspw. Konfronationsübungen ermuntert. Er erkundigt sich danach wie es Ihnen mit bestimmten Dingen emotional ergeht oder weshalb Sie in der Therapie auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Ein in diesem Sinne guter Psychotherapeut legt den Finger in die Wunde.

4. Ressourcenaktivierung

Der Psychotherapeut konzentriert sich nicht allein auf das, was Probleme bereitet und was Sie alles lernen müssen um die Therapieziele zu erreichen, sondern nutzt ihre Interessen, Fähigkeiten, Stärken und Persönlichkeitseigenschaften für den Veränderungsprozess. 

 

Woran erkennen Sie das? 

Dieser Wirkmechanismus ist manchmal schwer zu erkennen, da Betroffene das Gefühl haben immer um das Problem zu kreisen. Und selbstverständlich sind die Probleme permanent Thema in der Therapie. Allerdings achtet ein guter Psychotherapeut bei Alltagsübungen und Veränderungen darauf, was in ihrem Leben eben gut läuft, wo Sie Spaß haben, wo Sie Unterstützer haben, wo Sie aufblühen, um durch diese Ressourcen gestärkt Veränderungen zu erleichtern. 

5. Problembewältigung

Problembewältigung bedeutet, dass Sie mit gezielten Interventionen und Maßnahmen in der Therapie angeleitet werden, einen anderen Umgang mit dem Problem zu erlernen. 

 

Woran erkennen Sie das?

Es wichtig, dass ihr Therapeut ihre Sorgen ernst nimmt und Ihnen aufmerksam zuhört. Aber Sie sollten sich auch aktiviert und motiviert fühlen, Schritte in Richtung der gewünschten Veränderung zu machen. Dies kann durch  Rollenspiele, Arbeitsblätter, Hausaufgaben, Denkübungen, Stuhlübungen, Konfrontationsübungen etc. geschehen. 

Zu guter Letzt sei gesagt, dass man all dies oft nicht in der ersten Sitzung erkennt. Aber Sie können Ihrem Therapeuten (auch in der ersten Stunde) ein wenig auf den Zahn fühlen und ihn fragen, was ihm in seiner Behandlung besonders wichtig ist.